bittebitte.

von billymilja

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das neue jahr beginnen und die

vorsätze noch nicht aufschreiben, sie

ändern sich von woche zu woche

neu, genug champagner für den winter, genug

warme pullover, kleine steine auf dem

fensterbrett, atem für die

nächste zeit.

den februar februar sein lassen, den

monat mit dem schwarzen post-it am

kühlschrank und seinem gesicht im

hinterkopf, das all die jahre kleben blieb, wie der

kaugummi an der schuhsohle, atmen und die tage abhaken und

insgeheim hoffen, dass sie genau so still bleiben wie

bis anhin.

die pullover nicht zu früh aus dem schrank holen, dem himmel nicht

trauen, der wind ist kalt und märz so eine

zeit zwischen den zeiten.

im april dem frühling zuschauen, wie er

langsam hinter allen ecke angekrochen

kommt, die osterglocken für mama und die

duftäpfel für oma, bis jetzt läuft

eigentlich alles ganz gut.

viel schlafen im mai und die reise für den

sommer planen, nicht so weit weg,  bloss bis

zum meer, irgendwo, die

prüfungen schreiben und glauben, bald sei

das ende in sicht.

im juni tanzen und die finger kreuzen, der

sommer naht und mit ihm dieses

altbekannte glücksgefühl.

im salzigen meerwasser und danach ein

sommersby, irgendwo am strand, nicht an

alles denken, woran man noch denken

sollte, durch die sonnenbrille erscheint das

leben im juli träg und in guten farben, dieses

gefühl beibehalten, das von der strandpromenade am

abend und uns unter all den leuten.

der august noch fast heisser als zuvor, die bräune verlässt einen

schnell wieder und das gefühl von zuhause erreicht einen knapp nach

der zollkontrolle am flughafen, aber irgendwie ist das

halb so schlimm.

im september jedes mal denken, das sei jetzt das letzte mal

baden im see, wenn’s das letze mal ist, dann kurz die augen schliessen und

versuchen, sich all das einzuprägen, die wärme, die

sonne, das bier, die geräusche der badenden leute und sich im

oktober leise darüber ärgern, dass man diesen moment schon

wieder verpasst hat und dabei die menschem ignorieren, die

einem erzählen wollen, man könne doch nicht im voraus wissen, wann etwas

ein letztes mal ist, weil manchmal kann man das,

manchmal schon.

im november die warmen jacken aus dem schrank holen, den

nebel aushalten und dass es schon am nachmittag zu

dämmern beginnt, die traurigkeit nicht ins

haus lassen und sie ignorieren, auch wenn sie an’s

wohnzimmerfenster klopft und ihre nase gegen die

scheibe presst, den kürbis schälen und über die

guten alten zeiten nachdenken, irgendwann im

sommer mal, als du dachtest, nichts und niemand könnte dich je

erreichen auf diese wolke, im dezember das haus schmücken und sich im

hinterkopf behalten, dass das wichtig ist, um der kälte stand zu

halten, in’s kino gehen und glühwein trinken, bis die wangen rot sind und

alles ein bisschen weniger schlimm, weniger still, weniger von allem, sich auf

weihnachten freuen, ohne genau zu wissen, wieso eigentlich und ende des

monats mit champagner anstossen und das wär’s dann auch, die

augen schliessen und hoffen, noch

viele jahre mit dir, bittebitte.

05/01/2017

„Erinnert dich der Winter manchmal an etwas,

du weisst nicht – an was.“ ( J. Hermann)

© Sibyl Kurz