wo anfangen?
von billymilja

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den kopf aufräumen bis in die schmerzhaftesten
ecken hinein, die freitagabende mit anderen
dingen und vor allem ohne dein gesicht
füllen, nicht jedes mal daran denken, was du in
gewissen situationen und zu gewissen
dingen gesagt hättest, jede nacht und jeden
morgen dein gesicht erneut verlieren, dein
verschmitztes lachen in erinnerung er-
tragen können, dich
loslassen for good, wie soll das
bloss gehen?
wo soll ich anfangen, wo
sollen die worte herkommen, die uns
gerecht werden könnten, auch nur
ansatzweise? und wieso ist da
ständig dieses seltsame gefühl, allen er-
klären zu müssen, was das war, was du
warst, wie sich dein schutz angefühlt hat, wie
tief unter der haut deine liebe sitzt und wie
beschissen nackt sich das anfühlt, also, ohne
dich hier zu sein? und ich
weiss, du hast es mir
tausendmal gesagt, „man darf sein leben nicht für
die toten leben, kleines“, aber daddy,
wo soll ich anfangen und vor
allem: wer soll ich sein?
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21/07/2017
(„la vie c’est la folie,
ma chérie“)
©Sibyl Kurz