immer ganz erstaunt.

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du liebtest kreuzworträstel und schach, du

hast immer mindestens 3 zeitungen gelesen, nur um

sicher zu sein, dass sie alle stimmen, du bekamst

gänsehaut bei bach und vanille war dein liebstes eis, champagner war

sprudelwasser mit geschmack, nämlich für jeden tag und jeden

anlass geeignet, du warst 1.50m grösser als ich, als ich auf die

welt kam und 10 cm kleiner als ich, als du sie verlassen hast, deine

hände waren fast doppelt so gross wie meine und

mindestens dreimal so stark, deine gedanken ordnetest du in

stapel auf deinem schreibtisch und deine notizen waren in

stenographischer schrift auf kleine zettel gekritzelt im ganzen haus verstreut, du

liebstest kleine steine in sonderbaren formen und

bunte schneckenhäuser, aber bei letzterem war ich mir nie so

sicher, ob das nur war, weil ich die als kind gesammelt hatte, deine

liebste farbe war blau, wegen dem himmel und dem

meer, du hast immer gesagt, so leicht wie

schwimmen im salzwasser wird das leben nie mehr

werden, du liebtest abenteuer und wilde geschichten, jeden tag um

12 uhr 00 hast du die nachrichten am

radio gehört und dabei deinen kopf leicht schief gelegt, damit du

alles besser hören konntest, aber bei den börsenkursen hast du das

radio immer ausgestellt, weil wer zur hölle braucht schon

geld und diese frage macht immer wie mehr sinn, ich

habe dich nie fahrradfahren gesehen, aber ich sah, wie du im

schwimmbad immer auf den grund getaucht bist, um danach langsam und

gemächlich einen kilometer im wasser zu schwimmen, in konstanten und

fliessenden bewegungen, im sommer hast du in deinen

badehosen erdbeeren gepflückt und im spätsommer frische pflaumen, die

pfingstrosen blühten an deinem geburtstag, hell- und dunkelrosa, wie

kleine geschenke im garten, dein liebster nachtisch war meringue mit

früchten und schwedischer punsch aus kleinen gläschen, jeden tag um

13 uhr vor dem mittagsschlaf hast du dein gesicht gewaschen, im

sommer manchmal zweimal, du hast den

wald geliebt und dein klavier und deine riesige sammlung mit briefmarken, kleine

goldene uhren und im büro lesen bis nach 2 uhr morgens und das

leben, das ganze, mit allem drum und dran was es dir

zu bieten hatte, du hast nie zurückgeblickt und wenn,

dann immer ganz erstaunt.

24/02/2019

„there is no real way to deal with everything we lose“ – j. didion

© Sibyl Kurz