follow fires, baby.

das dach des bahnhofs hat die form des
alpenpanoramas, vielleicht weil die alpen von hier aus so
weit entfernt scheinen, ich habe das nie wirklich
herausgefunden, vor dem bahnhof warten immer leute mit
grossen koffern auf den bus zum flughafen und es
gibt fast immer eine gruppe mit zigeunern, die musik machen und den
leuten mit ihren hüten zuwinken, der kleine park beim
kirschgarten versammelt diese spezielle mischung aus
obdachlosen und spielenden kindern, slacklinern und
wartenden, die man meist nur an orten des
aufbruchs findet, beim bankverein gibt es diese riesige
baustelle, die schon fast eine gefühlte ewigkeit diese klaffende
lücke zwischen casino und kunstmuseum mit werbeplakaten und
ausstellungseröffnungsankündigungen verdeckt, unterwegs auf der
brücke über den rhein sieht man auf beiden seiten die kleine fähre, die menschen aus der
vogelperspektive von ufer zu ufer transportiert, rheinaufwärts sieht man im
sommer jede menge wickelfische in allen farben und grosse frachter
nebeneinanderschwimmen, alle gehen rheinabwärts, ausser ab und
an ein kajakfahrer, der es mit den strömungen aufnehmen will, fast wie zum
trotz, rheinabwärts sieht man in der ferne die industrieanlagen der
chemiekonzerne und an den ufern leute in bikinis und badehosen, die
sich sonnen mit einem bier, jeden abend feierarbend, läuft man nach der
brücke der rheinpromenade entlang, stehen hier überall buvetten mit
kleinen sonnenliegen und schirmen davor, sie verkaufen
hotdogs und burger oder vegane sandwiches, kleine
paninis oder wasabinüsse, man kann sich auch an das
ufer setzen und mit den beinen baumeln wenn man will, manchmal sieht man im
rhein bis auf den grund, aber das komnmt wirklich sehr
selten vor, man kann aber auch ganz weit rheinabwärts zur
landestelle laufen, sie haben das bessere bier dort und die
stimmung ist anders, auch wenn ich nicht ganz weiss, wie
anders die stimmung dort ist, aber an den heissen tagen liegt hier ein
flimmern in der luft, das es sonst fast nirgends gibt, vielleicht liegt es am
dreiländereck, vielleicht an den alten bahngeleisen oder an den
schiffen auf dem wasser, vielleicht aber auch nur am
bier oder an uns, jedenfalls hat es hier im
sommer immer ganz viele möven und du immer dieses
ganz bestimmte lachen im gesicht.
11/12/2019 // 15:20
„zum glück hän mir uns hüt gha, liebs“ – danke für allesallesalles.
© Sibyl Kurz