lilla gumman.

von billymilja


wir haben mal zusammen
auf diesem elend kratzigen
sofa nebeneinander
one of us von abba gehört, ganz
laut, weil ich traurig war und sie mir
nicht helfen konnte, und
wir haben nie über gefühle
geredet, aber sie hat mir
einmal erzählt, wie sie
daddy kennengelernt hat und wie
gerne sie tanzte, in dieser zeit, sie hatte diese kindliche fantasie und
mochte helle räume und
weisse gardinen fast genau so fest wie ich, sie
hat die schönsten dinge genäht und sie
hat es geliebt, wenn ich klavier
gespielt hab‘ für sie,
aber ich glaube so
wirklich wirklich nahe standen wir uns nie,
irgendwie ist sie einfach diese
manchmal fast fremde und nicht
greifbare person
geblieben, mein
ganzes leben lang, aber ich
habe ihren mund manchmal ihren blick auf die
welt geerbt, habe ihre so eigensinnig störrische weise trotz
allem sehr geliebt und sie dann ganz am
ende doch ab und an vermisst, mir
gewünscht, dass die dinge ein
wenig anders wären, vielleicht
nie wirklich für sie, sondern
viel mehr für mich selbst, einen
kindlichen versuch, ganz am
schluss zu den wurzeln zurück zu
kehren, zu jenen, die tiefer sitzen, als fast
alles andere der welt, sie
hat mir mal die bedeutung von
hemmakväll erklärt und immer wieder gesagt, wie
wichtig es ist, dass man niemals vergisst, wo man
hergekommen ist, dabei in den
garten gestarrt und irgendwann gesagt,
hej då heisst wörtlich übersetzt
nicht tschüss, sondern wenn
dann höchsten
„hallo danach“ oder „hallo dann“, im
sinne von: beim
nächsten mal dann, später vielleicht, oder
einfach irgendwann.

28.08.2020 // 19:34

hej då, farmor.

© Sibyl Kurz