billymilja

liebe, blattläuse und poesie.

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damals mit kaviar.

manchmal vergisst man, wie das zuhause genau gerochen hat, du

sitzt am tisch und wir essen fisch und knäckebrot und

sprechen über filmjölk und ich versuche, mich daran zu erinnern, also

wie das genau geschmeckt hat, und ich mag es, wie du die

wörter aussprichst, dass das z in prozent bei dir eher ein s ist und ich

muss stets daran denken, wie vertraut das alles war, der see und

das boot und die insel und die abendessen im garten damals mit

kaviar und kantereller und wie die

sonne unterging und wie anders der winkel der strahlen zum

horizont war, dass es hier nicht dieselbe art nebel über dem

see gibt wie dort, nicht dieselben süssigkeitenläden, nicht

dasselbe vertraute essen, kein singsang in der sprache, keine

hellen stoffe, welche oma durch die finger fliessen lässt und zu

gardinen verarbeitet, sowieso kein lachs und kein strömming und kein

kalles kaviar, nur der aus ikea aber der ist irgendwie fake, kein

polarbröd, keine bullar, keine so fantastischen geburtstagstorten und

lingonsylt und während ich das denke, erzählst du von dort, von der

familie und den festen und den hunden mit den weichen ohren und den

alten gesichtern und den schären und den kleinen häuschen

und den booten und da, in genau dem moment da, fühle ich es zum

ersten mal seit jahren: dass man manchmal vergisst, wie das zuhause

genau gerochen hat.

04/08/2015

if you bring forth what is within you.

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ich habe mir schutzmauern gebastelt und

flügel zum fliegen, ich habe die welt von

ganz oben gesehen und auch von

ganz unten, habe dein lachen gesucht und

deine sommersprossen, deine stimme und dieses

gefühl im bauch, ich habe versucht, die

lücke zu schliessen oder wenigstens zu

füllen, irgendwie, mit irgendwas, bin

durch die tage gestreift und abends schlaflos im

bett gelegen, der mond war halb und ich auch und

alle haben immer gesagt, es wird besser werden, meine

kleine, das leben, ich habe es ihnen geglaubt aber

ich habe sie nie gefragt, wie das denn bloss

werden soll, bin durch die wochenenden getanzt bis

ich nicht mehr wusste, wo oben und wo

unten war, aber wenn ich an dein gesicht denken musste, wollte

ich nach hause, sie sagten, du musst loslassen, du

musst dein leben leben, dazu ist es da, aber

niemand war da, wenn der stich kam, diese

sekunde zwischen den herzschlägen an

dem tag, als du geboren wurdest und an dem tag,

an dem du gingst, niemand konnte mir

erklären, wieso man dieses gefühl mit

niemandem teilen kann, ich habe mir

schutzmauern gebastelt und flügel zum

fliegen, ich brauchte das so dringend, weil du

doch dafür immer da warst, ich hatte keine

erleuchtung in dieses sieben jahren, ich fliege und ich

bin sicher, aber dein gesicht fehlt, deine

stimme und deine haut und alles, was dich

ausgemacht hat für mich und ich hoffe, dass du das

weisst und ich hoffe auch, dass du verstehst, wieso

das immer so wichtig sein wird.

 

26/02/2015

»if you bring forth what is within you,

what you bring forth will save you.

if you do not bring forth what is within you,

what you do not bring forth will destroy you.«

(Gospel of Thomas)

 

© Sibyl Kurz

we could have, we should have, we didn’t.

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es het grägnet a däm tag wo du

bisch gange, dini spure si verschwunde aber

öppis vo dim blick isch bi mir blibe,

am abe dusse mitem schwäre atem vom

aute hund hesch sache gseit wie,

das chunnt de scho guet oder

das isch haut so im läbe und

ganz ehrlech, am liebste hätti dir

z muu zueghebt i dene momänte,

wiui gwüsst ha, dass niemer uf dere

wäut das würd gloube und du hesch

das ou gwüsst, drum hesch mim blick nie

ganz stand ghaute, du hesch di

umdräiht und gsüfzt oder bisch stiu

blibe und weisch, hätti gwüsst, wies

würd wärde, denn hätti mer irgendwo

wit wäg vor wäut e höhli bout und

wär dert drin verschwunde und

vermuetlech nie meh use cho.

es het grägnet a däm tag wo du

bisch gange, sie hei aues mitgno,

z znachtässe zäme mitem wii, t nächt uf dim

fouton, t täg mit ganz grusigem wätter und

mir dinne mit schlabberhose, die

erste früehligsnomitäg im garte usse mitem galli,

aues hei sie mitgno, zäme mit dine möbu und

dine chleider, zäme mit dim gsicht und zäme mit

dire stimm, sie hei dis zahnbürstli vergässe,

vilech hesches ou äxtra nid ipackt, aber weisch,

i has dürs fänster düre i garte gschosse und

lut usebrüllt, i weiss nümm was, aber das

gfüeu wirdi nie i mim läbe vergässe,

die wuet, die wuet uf aues aber niemer

konkrets, wiu nie es gsicht da isch gsi,

woni t schuld hätt chönne gä, z einzige wo

blibe isch au die täg,

isch dis gsi.

29/12/2014

© Sibyl Kurz