billymilja

liebe, blattläuse und poesie.

so viel bleibt.

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dein lachen, die goldene

uhr, wind, mein glück, asche, wie viel

wiegt eine gebrochene seele,

wie viel.

tanzen, alte schuhe, deine

kamera, nordsee, frische pflaumen, kleine

notizen, liebe, so viel davon.

sand, hausaufgaben, die blaue feder,

blumenmuster, chopins letztes werk, auch

deines, blühender flieder, was bleibt am

schluss, ohne dich, wenn die

stille kommt.

dein lachen, die goldene

uhr, wind, mein glück, asche, so viel, wie eine

gebrochene seele wiegt, so viel

bleibt.

21/04/2019

© Sibyl Kurz

immer ganz erstaunt.

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du liebtest kreuzworträstel und schach, du

hast immer mindestens 3 zeitungen gelesen, nur um

sicher zu sein, dass sie alle stimmen, du bekamst

gänsehaut bei bach und vanille war dein liebstes eis, champagner war

sprudelwasser mit geschmack, nämlich für jeden tag und jeden

anlass geeignet, du warst 1.50m grösser als ich, als ich auf die

welt kam und 10 cm kleiner als ich, als du sie verlassen hast, deine

hände waren fast doppelt so gross wie meine und

mindestens dreimal so stark, deine gedanken ordnetest du in

stapel auf deinem schreibtisch und deine notizen waren in

stenographischer schrift auf kleine zettel gekritzelt im ganzen haus verstreut, du

liebstest kleine steine in sonderbaren formen und

bunte schneckenhäuser, aber bei letzterem war ich mir nie so

sicher, ob das nur war, weil ich die als kind gesammelt hatte, deine

liebste farbe war blau, wegen dem himmel und dem

meer, du hast immer gesagt, so leicht wie

schwimmen im salzwasser wird das leben nie mehr

werden, du liebtest abenteuer und wilde geschichten, jeden tag um

12 uhr 00 hast du die nachrichten am

radio gehört und dabei deinen kopf leicht schief gelegt, damit du

alles besser hören konntest, aber bei den börsenkursen hast du das

radio immer ausgestellt, weil wer zur hölle braucht schon

geld und diese frage macht immer wie mehr sinn, ich

habe dich nie fahrradfahren gesehen, aber ich sah, wie du im

schwimmbad immer auf den grund getaucht bist, um danach langsam und

gemächlich einen kilometer im wasser zu schwimmen, in konstanten und

fliessenden bewegungen, im sommer hast du in deinen

badehosen erdbeeren gepflückt und im spätsommer frische pflaumen, die

pfingstrosen blühten an deinem geburtstag, hell- und dunkelrosa, wie

kleine geschenke im garten, dein liebster nachtisch war meringue mit

früchten und schwedischer punsch aus kleinen gläschen, jeden tag um

13 uhr vor dem mittagsschlaf hast du dein gesicht gewaschen, im

sommer manchmal zweimal, du hast den

wald geliebt und dein klavier und deine riesige sammlung mit briefmarken, kleine

goldene uhren und im büro lesen bis nach 2 uhr morgens und das

leben, das ganze, mit allem drum und dran was es dir

zu bieten hatte, du hast nie zurückgeblickt und wenn,

dann immer ganz erstaunt.

24/02/2019

„there is no real way to deal with everything we lose“ – j. didion

© Sibyl Kurz

10x15cm gerahmtes glück.

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wir rahmen die altbekannten gesichter und

schicken ihnen in unseren gedanken kleine gebete, dass sie

sicher sind im woauchimmer und alles haben, was sie

brauchen, schutz und wärme wahrscheinlich, wir

versuchen, ihr bild aus unseren hinterköpfen zu

kriegen, ohne das gefühl zu haben, wir

verdrängen etwas eigentlich zu früh, wir

streichen ihnen in gedanken durchs haar und

denken an das damals, als ihr haar noch

echt war und jedes mal muss ich daran denken, was

bazin über die fotografie gesagt hat, dass sie die zeit ein-

balsamiert und vor dem zerfall rettet und ich

denke auch daran, was alle immer sagen, nämlich dass man die

dinge loslassen muss, um sie

wirklich behalten zu können und ich frage mich, was das

bloss heissen soll, ich kann mir dich einfach immer noch

viel zu gut vorstellen hier, kann dein

lautes lachen immer noch viel zu deutlich hören an

manchen tagen, kann mir deine witze vorstellen, in ihren

umrissen jedenfalls, wir rahmen die

altbekannten gesichter und

schicken ihnen in unseren gedanken kleine gebete, dass sie

sicher sind im woauchimmer und alles haben, was sie

brauchen, schutz und wärme wahrscheinlich aber

vermutlich nicht viel mehr, ich komme nie viel weiter als bis zu

bazin, verstehst du, ich kann dich ein-

balsamieren, aber das mit dem loslassen, das

schaff‘ ich irgendwie noch nicht ganz. 

21/01/2019

und jeden morgen schaust du vom fenster aus mit

deinem gesicht gen himmel der sonne entgegen.

10x15cm gerahmtes glück, daddy.

©Sibyl Kurz

posthelios.

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auf das licht folgt die

dunkelheit, auf die

sonne der regen, das ge-

witter manchmal auch, auf das

glück folgt die traurigkeit und auf den

lärm die stille, alles hat seinen

rhythmus, ich kann dich ganz ge-

nau hören, wie du das immer gesagt

hast, einen zwei- oder mehrtaktigen

wandel, nichts, was dich beunruhigen

muss, kleines, auf die

energie folgt die erschöpfung, auf die

stärke folgt schwäche und auf das

leben der tod, irgendwann, du hast die

kleine goldene uhr aufgezogen und ge-

lacht, siehst du, hast du gesagt, auf den

stillstand folgt die bewegung, du hieltest mir die

uhr ans ohr, damit ich hören konnte, wie sie tickt,

später hast du sie mir jedes mal unter mein

kopfkissen gelegt, das beruhigt, hast du gesagt,

was folgt auf das vermissen, habe ich dich gefragt, – was

dann? – du hast die uhr zur seite gelegt, in den

garten gestarrt und gesagt, die dankbarkeit, denk

dran, meine kleine, posthelios, auf das

licht folgt die dunkelheit, aber

irgendwann wieder das licht.

17/07/2018 // 13:55

daddy.

©Sibyl Kurz

bra att veta.

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du musst dich im richtigen mass in die dinge verbeissen, kleines, im

richtigen winkel deine eckzähne in den dingen versenken und einfach nicht mehr

loslassen bis alles vorbei ist, im richtigen moment blinzeln und der

angst in die augen starren, bis sie immer kleiner wird, deinen

rücken schützen, weil dort die schärfsten klingen landen, unge-

schützt, zwischen die rippen, kleines, immer von jenen, die dich am

besten kennen, als wär‘ es ein geheimnis, wo genau dein

herz sitzt, kleines, du musst wissen, wann alles vorbei ist, wann sich dein

aufwand nicht mehr lohnt, weil dir niemand mehr dafür danken

wird, du musst loslassen können, kleines, das ist die kunst des lebens, dich ver-

beissen und dich verlieren danach, im richtigen moment in

deckung gehen und im richtigen augenblick deine wut als etwas gutes be-

trachten, das tanzen nicht vergessen und auch die farben nicht, aber nur aus den

augenwinkeln heraus all die dinge sehen, die du irgendwann noch gerne haben würdest

und deine pupillen auf das richten, was vor dir liegt, deine hände um das

glück legen, das du hast und das zwischen deinen handflächen pocht, alles andere spielt

keine so wirklich grosse rolle,

du musst dich im richtigen mass in die dinge verbeissen, kleines, im

richtigen winkel deine eckzähne in den dingen versenken und einfach nicht mehr

loslassen bis alles vorbei ist.

01/07/2018

„Det är bra att veta vad man letar efter innan man början leta efter det“

(-Nalle Puh)

©Sibyl Kurz

 

wiu eis vakuum irgendwie nid längt.

Version 3

au die zyt, au die zyt,

daddy, daddy,

wo söui bloss

häre dermit?

es füeut sech wie gester ah, die nomitäg bit dir im

garte, womer gfüürlet hei und mer aus so

gschichte hesch verzeut, woni mi hüt leider nümm cha

dra erinnere, au die länge spaziergäng im waud im

früehlig und z erste mau klavier gspiut näbe dir, bi dir

übernachtet und jedes mau angst gha vorem dunkle chäuer und du wo

immer glachet und gseit hesch, wenn der dunkli orte angst mache, de

muesch der se eifach mit liecht vorsteue, mini chliini, z zwöit mit

vanilleglace auti western-fiume gluegt und speter zäme mis

auererste bier trunke, immer irgendwenn e blick

zrügg ufnes wit entfärnts früecher, i checke ersch hüt, dass du die

meiste sache nur mir und niemer anderem verzeut hesch und i wünscht, i

wär mängisch ehrlecher gsi mit dir, i hoffe du weisch das, aber

trotzdem

au die zyt, au die zyt,

daddy, daddy,

wo söui bloss

häre dermit?

ig ha dis gsicht mit auem drum und dra imne

vakuum zmitzt i mim härz verschlosse, ohni

abloufdatum, aber t zyt tickt trotzdem witer, sie breitet ihri

flügu us und leit sech über jede egge und jede schatte vo mim

zimmer am 2 am morge, immer wieder der gedanke, dases üsi

zyt wär gsi, das für immer vo jetzt, du bisch der afang ohni ändi und ig

weiss nid, wenn dass sech das ändlech mau

weniger fausch wird afüehle, du fäusch fasch

überau, und dert wo nid, bini meistens säuber nid derbi, ig

wünscht i wüsst,

au die zyt, au die zyt,

daddy, daddy,

wo söui bloss

häre dermit?

wiu eis vakuum irgendwie nid längt.

17/03/2018

©Sibyl Kurz

you and me.

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Today ten years ago I thought I would never ever make it out of bed in the morning, that I would never get over this, over you and over this void you left behind.
I can’t say it’s been an easy ride, on the contrary it definetly was one of the hardest times I’ve ever had to cope with in my whole life. There was your birthday coming up every year and my first trip back to our secret place, there were a million memories that made everything collapse like a house of cards in any random second. Your love was magical and protected me for so many years. I can’t believe it’s been a decade without you cracking up about some random scene in family guy, without going out with you and meeting all of your crazy friends in your crazy world. Somewhere along the way I realised that I had to let you go in order to keep my life together and in order to keep myself safe. It hurt so much in the beginning, just like the day after the worst day of my life. But after a while I felt this big relief, as if I took the first deep breath after what felt like a lifetime of grief.
Maybe that’s how forgiving feels like, I don’t know. It would be a lie if I said I never was sad after letting you go, but it was a different kind of sadness, that’s for sure. You were my best adventure, you made all the champagne bubbles pop, you always managed to make my day even if you had the worst day ever.
It’s such a shame that I never had the chance to get to know you as an adult dealing with adult problems, it’s such a shame you never had the chance to see me growing up, to see me dealing with my life, that you weren’t there the first time I threw up in a cab after a night out, that I could never tell you about my first crush and my first heartbreak, that the only thing I always tell other people about you is that you were magic, although you were, but that you can’t prove them how much of magic you really were, you know?
you really changed my life, I hope you know that. It’s not just the good times I’m thankful for, but also the scars that the pain of losing you left behind, cause it probably taught me the most important lesson in life.
It took me a while to understand that this kind of pain would never leave me again, that it would always stay with me, but that it would be okay because it was a mark of you.
So basically the only things that stay are stories and love, lots of love. I don’t know if I can keep up with the stories because they start fading away more and more the longer you’re gone. But I can – and that’s guaranteed – keep up with my love for you and my love for the amazing times we spent together. And I guess that’s enough, it has to be enough.
I hope you had the best time ever down here, cause man, I had it with you.
I’ll save you a seat at our secret spot till we meet again.
See you around, big guy, we had a crazy ride of a life, you and me.

26/02/2018

©️Sibyl Kurz

präludium XII.

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es gibt guten schmerz und schlechten schmerz, der

schlechte schmerz kommt abends und hüllt sich um die

dinge, er hat viel mit reue und verpassten gelegenheiten zu

tun, mit den dingen, die ich dich so gern noch gefragt oder

dir gesagt hätte, aber nie den mut oder die zeit dafür hatte. der

gute schmerz legt sich über die dinge von dir, deine bilder und

geschichten, er hat mit vermissen zu tun und so viel mit liebe.

dein kleiner ganesha sitzt immer noch auf meinem klavier, er ist

klein und dick und angenehm schwer in der hand, ich sehe diesen

tag bis heute vor meinen augen, wie du ihn aus deiner schublade geholt

und ihn gemustert hast, wie du gelächelt hast und ihn mir entgegengestreckt

hast, er sass in meiner hosentasche bis ich mir mein erstes klavier kaufte, er

würde glück bringen und gutes gelingen, hast du gesagt, du hättest ihn

geschenkt bekommen auf einer deiner uhrenreisen, der mann, welcher ihn dir

gegeben hat, hätte gemeint, ein ganesha wäre für wohlstand aber das würde ich

nicht brauchen im leben, wer zur hölle braucht wohlstand, hast du gerufen und

gelacht, damals habe ich noch nicht wirklich viel davon verstanden, aber

er sass die ganze zeit in meiner hosentasche und heute auf meinem klavier.

es gibt guten schmerz und schlechten schmerz, der

schlechte schmerz kommt abends und hüllt sich um die

dinge, er hat viel mit reue und verpassten gelegenheiten zu

tun, mit den dingen, die ich dich so gern noch gefragt oder

dir gesagt hätte, aber nie den mut oder die zeit dafür hatte. der

gute schmerz legt sich über die dinge von dir, deine bilder und

geschichten, er hat mit vermissen zu tun und so viel mit liebe.

die geschichte vom kleinen ganesha und wie er auf meinem klavier gelandet ist, ist guter schmerz.

dass du nicht weisst, wieviel er mir bedeutet, ist schlechter schmerz.

let that sink for a while.

21/01/2018

©Sibyl Kurz

„there’s a crack in everything…

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ich habe einen schneeengel gemacht im

januar und bin im februar alle

treppentritte vom fischmarkt bis zu

universität hochgerannt bis meine lunge

stach und ich kleine sternchen sah, im

märz habe ich mehrheitlich geschlafen und im

april die zelte abgebrochen, den mai verbrachte ich

betäubt auf der treppe hinter dem haus, im

juni bliess ich 24 kerzen auf der torte aus und

vermisste dein gesicht jedes mal, wenn ich meine augen

schloss, ich schaute über die stadt im süden und

wünschte mich einfach nur fort, im juli

arbeitete ich mich beinahe bewusstlos und

tauchte im see zum ersten mal bis ganz auf den grund, im

august schlief ich die ersten nächte in meinem neuen

zuhause und schwitzte mich zu tode, ich

schaute mir kims hintern und den geissens ihre yacht an und

fand alles ziemlich belanglos, im

september holte ich luft, aber mein atem reichte trotzdem nicht, im

oktober gingen wir tanzen aber alles war ein bisschen

traurig, der november war einmal blinzeln und viel

glühwein und champagner und vodka, wenig schlaf und

viel zu tun, wenig nachdenken, einfach nur

wenig nachdenken und im dezember der

erste schnee in den socken auf der terrasse und

jedes mal bei vollmond das seltsame gefühl, dass du mich

siehst hier unten und jedes mal dieser stich, wenn mir dieser

moment in den sinn kommt, du und ich und whiskey und

‚go get ‚em tiger‘, mein altes eselchen, mein

allerbester freund, was für eine zeit.

27/12/2017

…that’s how the light gets in.“

(L. Cohen)

©Sibyl Kurz

das denn mit dir.

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mir chunnt auts züg i sinn und

ig weiss nid wohäre dermit, irgendwie isch

jede schritt gäge füre ufne komischi art ou e

schritt zrügg, ig weiss mir hei aues

versuecht damals und denn hets eifach nid

glängt, vilech wär das hüt angers, das hani

mängisch dänkt, aber vilech ou nid und was wär

denn, weisch, du bisch t

antwort uf au mini frage gsi, du hesch mim

tag so oft e sinn gä und ig ha mini

beste abentür erläbt mit dir, vilech hani z früeh

ufgä, aber ehrlech gseit gloubi das nid, es isch vilech meh

eifach nume es soublöds timing gsi, hätte mer meh

zyt gha, hätte mer meh drus gmacht, vilech isch das e

biuigi usred, i weisses nid, aber irgendwie treit mi der

gedanke mängisch, dasmers wäre gsi, du und

ig, und dasmers überläbt hätte, wenn aues angere

chlei angers wär gsi.

13/12/2017

mukla.

©Sibyl Kurz